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Wasserstoffoxid oder auch H2O genannt. Die Molare Masse beträgt18,02 g/mol. In reinstem Zustand ist Wasser eine klare, geruch- und geschmacklose, farblose Flüssigkeit, deren Schmelzpunkt bei 0°C und der Siedepunk bei 100°C liegt. Durch den Schmelzpunkt und Siedepunkt des Wassers bei 1013 mbar ist die Celsius-Temperatur-Skale festgelegt worden. 1 cm3 Wasser von 4°C besitzt die Masse von 1 g; Eis von 0°C hat die Dichte 0,9168. Das (berechnete) Litergewicht des Wasserdampfes beträgt unter Normalbedingungen (0°C und 1013 mbar) 0,5974 g; seine Dichte ist 0,462 (wenn Luft von 0°C = 1 gesetzt wird), seine kritische Temperatur 374°, der kritische Druck 221,29 bar, die krit. Dichte 0,315, das krit. Molvolumen 0,057 l/mol. Beim Tripelpunkt des Wassers liegen flüssiges Wasser, Eis und Wasserdampf im nonvarianten Gleichgewicht nebeneinander vor, als zugehörige Temperatur ist 273,16 K=0,01°C definiert worden, der „wahre“ Tripelpunkt liegt bei 0,0099°C und 611 Pa (6,11 mbar).


Abb. 1: Zustandsdiagramm von Wasser.


Weitere Daten des Wassers (im allg. bei 25°C und 1013 mbar):

Spezif. Wärmekapazität

4,1855 J/g·K

Bildungsenthalpie

285,89 kJ/mol

Schmelzenthalpie (0°C)

6,010 kJ/mol

Verdampfungsenthalpie (100°C)

40,651 kJ/mol

Oberflächenspannung

71,96·10–3 N/m

Viskosität

0,8937 mPa·s

Volumenzuwachs (Gefrieren)

1,09 * V

Volumenzuwachs (Verdampfen)

1605 * V

Die elektr. Leitfähigkeit 0,0635 mS/cm ist ein Maß für die Reinheit des Wassers, schon geringe Zusätze verändern die Leitfähigkeit erheblich. Die sehr große Dielektrizitätskonstante (e=80,18) ist fast die höchste unter den Flüssigkeiten.

Die in mancher Hinsicht anomalen Eigenschaften des Wassers lassen sich auf die Struktur des H2O-Moleküls zurückführen, in dem die beiden Wasserstoff-Atome unter einem Winkel von 105° angeordnet sind. Aufgrund der unterschiedlichen Elektronegativitäten von Sauerstoff (3,44) und Wasserstoff (2,20) ist die O–H-Bindung polarisiert, d.h. die beiden entgegengesetzten elektrischen Pole fallen in ihrer räumlichen Lage nicht zusammen, so dass das Wassermolekül einen Dipol bildet. In der Elektronendichteverteilung überlappen sich die p-Orbitale des Sauerstoff-Atoms mit den s-Orbitalen der Wasserstoff-Atome zu s-Bindungen, etwa wie die Darstellung des Molekülorbitals (Abb. 2b) zeigt:




Abb. 2: Struktur (a.) und Molekülorbital (b.) von Wasser


Das aus der Polarisation resultierende Dipolmoment wurde zu m=1,85 Debye bestimmt, und die Differenz der Elektronegativitätswerte erteilt – nach Pauling – der ansonsten kovalenten Bindung einen partiellen Ionen-Charakter. Diese und die dielektrischen Eigenschaften erklären die Eignung des Wassers als Lösungsmittel für polare Stoffe, die elektrolytische Dissoziation gelöster Salze, Basen und Säuren, die Neigung zur Komplex-Bildung , die Solvatation (Hydratation; die Bildung von Hydraten kann mit Erwärmung oder Abkühlung verbunden sein), die Fähigkeit zur Ausbildung von Wasserstoff-Brückenbindungen und damit auch die Struktur des flüssigen Wassers. In diesem herrscht nämlich ein bestimmter Ordnungszustand, dessen Zustandekommen die Chemiker seit langem interessiert. Auch heute sind noch nicht alle Fragen zur Struktur des Wassers beantwortet. Aus quantenmechanischen Berechnungen und den Ergebnissen von Untersuchungen mittels Röntgen- uund Neutronenbeugung, IR- und Raman-Spektroskopie wurden die beiden Kontinuum- und Mischungsmodelle für die Wasserstruktur abgeleitet. Letzteres, das man auch Cluster-Modell nennt, nimmt an, daß durch Wasserstoff-Brückenbindungen zusammengehaltene Aggregate einer dem Eis  analogen Struktur einzelne ungebundene Wassermoleküle auf Zwischengitterplätzen enthalten. Manche Verbindungen (chaotrope Stoffe) können, in Wasser gelöst, dessen Ordnungszustand herabsetzen, indem sie die H-Brücken zerstören.

Eine Reihe von Eigenschaften heben das Wasser aus der Gruppe der Wasserstoff-Verbindungen der dem Sauerstoff benachbarten Elemente heraus: Während alle Wasserstoff-Verbindungen der Nichtmetalle Gase sind, ist Wasser als einzige flüssig (hypothetische Schmelztemperatur –100°C, Siedepunkt –80°C); während viele dieser „Hydride“ toxisch sind, ist Wasser der Hauptbestandteil der Körperflüssigkeit aller Organismen. Während sich fast alle Flüssigkeiten beim Gefrieren zusammenziehen und sich dadurch ihre Dichte erhöht, dehnt sich Wasser beim Erstarren aus. Das Dichtemaximum des Wassers liegt bei 4°C. Diese Eigenschaft bewirkt nicht nur, daß Eis auf flüssigem Wasser schwimmt, daß es Eisberge gibt (von denen aufgrund der Dichtedifferenz zwischen Eis und Meerwasser nur 12% sichtbar sind) und das, – zusammen mit der geringen Wärmeleitfähigkeit des Eises – Gewässer von der Oberfläche her, nicht aber bis zum Grund gefrieren (Überlebenschance für Organismen), sondern auch, dass gefrierende Wasserleitungen etc. platzen und Gesteine mit Wassereinschlüssen gesprengt werden können. Eine weitere Anomalie zeigt Wasser in der Druckabhängigkeit des Schmelzpunktes: Unter einem Druck von 2000 bar erstarrt Wasser erst bei –22°C, während bei anderen Flüssigkeiten der Schmelzpunkt unter Druckeinwirkung im allgemeinen zunimmt. Erst bei 6,2 kbar schmilzt Wasser wieder bei 0°C, und bei ca. 32 kbar ist der Schmelzpunkt 100°C. Reinstes Wasser läßt sich durch Unterkühlung bis ca. –20° flüssig halten, als Tropfen in organischen Lösungsmittel sogar bis ca. –40°C und unter Druckeinwirkung von 2000 bar noch bei –90°C.


Im Wasserdampf sollen z.T. Dimere (H2O)2 vorliegen. Im überkritischen Zustand löst Wasser manche normalerweise wasserunlöslichen Stoffe, dies kann zu Extraktionszwecken genutzt werden, und könnte auch die Entstehung einiger Lagerstätten erklären. Zeitweilig erregte sogenanntes Polywasser (auch als Wasser II, anomales Wasser, Superwasser oder Derjagin-Wasser bezeichnet) Interesse, eine allerdings nicht reproduzierbare „Wasser-Modifikation“ mit seltsamen Eigenschaften, deren Existenz letzten Endes nicht bewiesen werden konnte. Auch magnetisiertes Wasser erregte zeitweilig Verwirrung .


Zu den Anomalien des Wassers zählt weiterhin die große Erstarrungs-(Schmelz)-enthalpie, die wesentlich über derjenigen anderer niedrigschmelzender Verbindungen liegt; diese Eigenschaft ist für das klimatische Geschehen im Winter, für die Eisbildung in Wolken etc. von Bedeutung. Über den Werten vergleichbarer Verbindungen liegen beim Wasser auch die Werte von Verdampfungsenthalpie, Oberflächenspannung, spezif. Wärmekapazität, Schallabsorption und Viskosität. Die Fließeigenschaften des Wassers, z.B. für Löschwasser, lassen sich durch Zusatz sogenannter Widerstandsverminderer (WV) von der Art des Polyethylenoxids verbessern.

Wasser ist mischbar mit den niederen Alkoholen, Glykolen, cycl. Ethern, Aminen, Carbonsäuren und Aceton, in den höheren Homologen nimmt die Löslichkeit mit steigender C-Zahl ab, und in unpolaren Flüssigkeiten wie Kohlenwasserstoffen und Halogenkohlenwasserstoffen ist es praktisch unlöslich, desgleichen in aliphat. Ethern und Estern. Bei Raumtemperatur ist Wasser kaum dissoziiert. Die Dissoziationskonstante bei 25° beträgt Kw=10–14 (pKw=14), d.h. in 10000 t Wasser ist nur 1 Mol Wasser (18 g) in ca. 1 g Protonen (H+ bzw. [H3O]+) und ca. 17 g Hydroxid-Ionen (OH–) zerfallen. Nach Brønsted darf Wasser als amphoter, d.h. als äußerst schwache Säure und als äußerst schwache Base zugleich gelten.

Durch Elektrolyse läßt sich Wasser in seine Bestandteile zerlegen, wobei sich an der Kathode Wasserstoff und an der Anode Sauerstoff im Vol.-Verhältnis 2:1 abscheiden, zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit setzt man Elektrolyte hinzu. Der Prozeß der Wasserelektrolyse wird technisch zur Gewinnung von Wasserstoff (u. Sauerstoff) benutzt. Photochemisch läßt sich Wasser zwar nicht durch sichtbares Licht, aber durch sehr kurzwellige Ultraviolettstrahlung in H2 und O2 spalten. Auf dem Umweg über Sensibilisatoren wie Chlorophyll ist die Photolyse von Wasser jedoch zusammen mit der CO2-Reduktion die bei weitem umsatzstärkste chemische Reaktion auf Erden, nämlich als Photosynthese oder Assimilation. Verständlicherweise sind viele Prozesse für die Wasserzersetzung nach dem Modell der Photosynthese entwickelt worden.



Nachweis: Zum qualitativen Nachweis und zur (halb)quantitativen Bestimmung von Wasser in Form von Feuchtigkeit eignen sich wasserfreie Verbindungen, die mit Wasser unter Farbänderung reagieren. Farbloses, mit K[PbI3] getränktes Papier wird gelb (Bldg. von PbI2), hellblaues CoCl2 bzw. grünes CoBr2 werden rot (Bldg. von Hydraten), farbloses CuSO4 wird blau (Hydrat-Bldg.); Propyltitanat, Magnesium- u. Aluminiumalkoholate trüben sich in Gegenwart von Wasser. Andere Stoffe entwickeln mit Wasser Gase, deren volumetrische Bestimmung zur Wasseranalyse genutzt wird. Calciumhydrid entwickelt Wasserstoff, Calciumcarbid Acetylen, Magnesiumnitrid Ammoniak, Triethylboran Ethan. Mit Prüfröhrchen läßt sich Wasserdampf im Bereich von 0,1–40 mg/l Luft bestimmen. Das wohl geläufigste chemische Verfahren zur Wasserbestimmung (Aquametrie) ist die Titration mit dem Karl-Fischer-Reagenz.

Häufig läßt sich auch die Gaschromatographie einsetzen. Daneben existieren viele, z.T. automatisierte, physik. Bestimmungsmethoden, in denen man die Infrarotabsorption oder -reflexion des Wassers zur Feuchtigkeitsbestimmung heranzieht oder mit Wägung nach Zwischentrocknung arbeitet. Ferner gibt es speziell zur Wasserbestimmung entwickelte Geräte wie Hygrometer.


Physiologie: Für die Organismen ist Wasser unentbehrlich. Als Lösungs-, Transport- u. Quellungsmittel ermöglicht Wasser die zahlreichen chem. und kolloidchem. Zellreaktionen. Der durchschnittliche Wassergehalt des erwachsenen Menschen beträgt über 50%. Der tägliche Wasserumsatz beläuft sich auf etwa 2,5 l. Als Trinkflüssigkeit werden ca. 1200 ml, mit dem Wassergehalt der Nahrungsmittel ca. 1000 ml aufgenommen, und als Oxididationsprodukte des Stoffwechsels entstehen ca. 300 ml; ausgeschieden werden als Harn ca. 1500 ml, als Schweiß 600 ml, durch die Atemluft 300 ml und im Kot 100 ml. Das Wasser regelt auch die Körpertemperatur, indem es durch Verdunsten an der Hautoberfläche Wärme entzieht. Größere Wasserverluste können bei starkem Fieber, Diarrhoe, Erbrechen, Ödemen und Verbrennungen auftreten.

Kältetolerante Organismen verhindern die Eisbildung mit Hilfe körpereigener Gefrierschutzmittel, z.B. mit Glykoproteinen (bei arkt. Fischen) oder mit Glycerin, Sorbit, Glucose und Prolin (bei Gallenfliegenlarven). Eine andere Taktik verfolgen Mikroorganismen, die mit Proteinen als Gefrierkeimen die extrazelluläre Eisbildung fördern. Da die Aktivität von Enzymen an die Gegenwart von Wasser gebunden ist, lassen sich Enzymhaltige Nahrungsmittel durch Trocknen (am schonendsten durch Gefriertrocknung) dauerhaft konservieren. Andererseits sind manche Organismen in der Lage, durch Bildung von Dauerformen (Sporen, Samen) wasserarme oder gar wasserfreie Perioden zu überstehen .

Für standortgebundene Pflanzen ist Wasser von besonderer Bedeutung. Besondere Arten wie Sukkulenten haben sich einem evtl. Wassermangel angepaßt, z.B. durch dichte Behaarung, Verminderung der wasserverdunstenden Oberfläche (Kakteen, trop. Euphorbien), Versenkung der Spaltöffnungen (Abb.), Verstärkung der Kutikula, Erhöhung der Salzkonzentration und des osmotischen Drucks in den Wurzeln usw. Im Gegensatz zum Wasser ist das Erdreich für die Pflanzen entbehrlich ( Hydrokultur). Frische, grüne Wiesenpflanzen bestehen zu 70–80% ihres Gewichtes aus Wasser, Wassermelonen zu 93%, Gurken zu 96%, Kürbisse, Rhabarber u. Kopfsalat jeweils zu 95%. Eine Sonnenblume dunstet an einem klaren, sonnigen Tag etwa 1 l Wasser ab, eine Birke mit 200000 Blättern 60–70 l, ein Hektar Buchenwald mit 400 Bäumen im Lauf einer Vegetationsperiode etwa 3,6 Mio. l Wasser, das wären etwa 60% der Niederschläge, wenn man eine Niederschlagsmenge von 600 mm zugrunde legt. Bei künstlicher Bewässerung benötigt man 500 t Wasser, um 1 t Getreide zu ernten.

Abb.: geöffnete und geschlossene Spaltöffnung

Wasservorkommen: ¾ der Erde ist mit Wasser bedeckt, das sind ca.1.650.000.000.000.000.000.000 Liter (1,65 Triliarden Liter). Wenn man dieses Wasser in einen Würfel stecken würde, so hätte er eine Kantenlänge von 1180 Kilometer.
Die Aufteilung des Wassers auf unserer Erde gliedert sich wie folgt:

Meere 83,51 %
Nicht förderbares Grundwasser(zu tief) 15,45 %
Polareis 1,007 %
Flüsse 0,015 %
Förderbares Grundwasser 0,015 %
Atmosphäre 0,0008 %

Demnach stehen nur 0,03% als Süßwasser zur Verfügung (Trinkwassergewinnung aus Grund- und Flußwasser). Das sind 495.000.000.000.000.000 Liter weltweit die als Trinkwasser genutzt werden könnten ( Würfel mit 79 Kilometer Kantenlänge.) In Deutschland wurden 1995 insgesamt 6.528.000.000.000 Liter für Trinkwasserversorgung gefördert (Würfel mit 1.87 Kilometer Kantenlänge).

Um eine Vorstellung zu bekommen wieviel Trinkwasser in Deutschland verbraucht wird, im Gegensatz zum gesamten Wasservorrat auf der Erde, kann man sich folgendes Beispiel vorstellen. Ein Schwimmbecken mit den Maßen 50 Meter*20 Meter*2 Meter Tiefe soll den gesamten Wasservorrat der Erde darstellen. Das jährlich geförderte Trinkwasser in Deutschland stellt dann ein halbes Schnapsglas dar.

Der atmosphärische Wasserdampf wird durch das UV der Sonnenstrahlen langsam in Wasserstoff (entweicht in den Weltraum) und Sauerstoff (wird z.T. in geolog. Oxidationprozessen gebunden) zerlegt. Eis und Wasserdampf sind auch im interstellaren Raum bzw. in der Mars- u. Venus-Atmosphäre nachweisbar, flüssiges Wasser gibt es nur auf der Erde.
Natürliches Wasser besteht zwar im wesentlichen aus H216O, doch kommen auch Moleküle wie H218O, D216O, D218O, HT16O, H217O etc. vor. Schweres Wasser (Deuteriumoxid) ist in gewöhnlichem Wasser zu etwa 0,02% enthalten.

Für die Wasserversorgung des Menschen (Haushalt, Ind. u. Landwirtschaft) stehen als Süßwasser nur die Vorräte in Seen, Flüssen oder im Grundwasser zur Verfügung. Im Gegensatz zu anderen Rohstoffen verringert sich dieser Vorrat wegen des Wasserkreislaufs nur unwesentlich. Etwa ebensoviel, wie dem Wasserreservoir der Erde entnommen wird, fließt ihm nach Verdunstung als Niederschlagswasser (Wolken, Nebel, Regen, Hagel, Reif, Tau, Schnee) wieder zu. Zur Untersuchung des Wasserkreislaufs und von Grundwasser Wanderungen eignen sich Isotope. Das aus dem Kreislauf stammende Wasser wird gelegentlich vadoses, das aus tiefen Quellen erstmals zutage tretende juveniles Wasser genannt. Abb. 3 zeigt die Wasserbillanzilanz der BRD in Form eines sogenannten Sankey-Diagramms . Dabei entspricht 1 mm Niederschlag 1 l/m2.

(Max-Plack-Institut für Meteorologie/Hamburg)

Gewinnung: H2O entsteht bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, Motorkraftstoffen, Raketentreibstoffen etc., sofern diese Wasserstoff enthalten, bei der Knallgas Reaktion, beim autogenen Schweißen, ferner bei vielen chem. Reaktionen. Beisp.: Veresterung, Neutralisation, Oxidation und Reduktion, Kondensation, Dehydratisierung. Außer in besonderen Fällen (z.B. in der Raumfahrt) greift man bei der Gewinnung von Trink- und Brauchwasser auf die natürlichen Wasservorräte zurück. Natürliches Wasser, selbst Regen und Schnee, ist jedoch keinesfalls chemisch rein, sondern enthält gelöste und suspendierte org. und anorg. Stoffe. Bei Mineralwässern (Tafelwässer) und solchen Quellwässern, die direkt als Trinkwasser brauchbar sind, ist ein Gehalt an mineralischen Bestandteilen aus gesundheitlichen und geschmacklichen Gründen erwünscht, nicht jedoch die Anwesenheit org. Substanzen, insbesondere solcher anthropogener Herkunft.

Unter dem Begriff Wasseraufbereitung faßt man die Maßnahmen zur Gewinnung von Trinkwasser und von Brauchwasser für industrielle und landwirtschaftliche Zwecke zusammen, d.h. von Wasser für chemische Reaktionen, als Lösungsmittel, als Kesselspeisewasser zur Dampferzeugung und Heizung, zur Kühlung und Klimatechnik, zur Bewässerung usw. Als Vorräte kommen Grundwasser und Oberflächenwasser, Fluß- und Talsperrenwasser, seltener Quellwasser in Frage, sowie unter besonders regionalen, klimatischen und ökonomischen Gesichtspunkten auch Meerwasser und Brackwasser. Die Wahl der einzelnen Verfahrenschritte richtet sich sowohl nach der Verwendung als auch nach der Beschaffenheit des zu reinigenden Wassers . Bei reinem Quellwasser muß u.U. nur eine „Sicherheitschlorung“ vorgenommen werden. Dagegen sind, um brauchbares Trinkwasser aus stark verunreinigtem Rohwasser, z.B. Uferfiltrat aus Rhein u. Ruhr, zu erhalten, mehrere Reinigungsschritte erforderlich, wie Durchbruchschlorung oder Ozonisierung zur Abtötung pathogener Keime. Flockung, z.B. mittels Eisen- od. Aluminiumsalzen, und Sedimentation zur Entfernung anorg. u. org. Kolloide, Filtration über Sandfilter, Entfernung gelöster anorg. Verunreinigungen, insbesondere der Härtebildner durch chemische Verahren und org. Verunreinigungen durch Aktivkohle-Behandlung. Schließlich dient die Sicherheitschlorung zur Verhinderung einer Reinfektion des aufbereiteten Wassers im Verteilungssystem.

Die Gewinnung von Trinkwasser und auch Bewässerungswasser aus Meerwasser erfolgt vorwiegend durch vielstufige (Vakuum-)Entspannungsverdampfung (MSF, E multistage flash evaporation). Energetisch günstiger ist die umgekehrte Osmose, bei der Meerwasser oder Brackwasser unter Anwendung eines äußeren Druckes durch eine semipermeable Membran hindurchtritt und dabei in salzarmes Wasser übergeführt wird. Aufwendigere Verfahren sind beim Einsatz von Flußwasser nötig, das durch unzureichend oder überhaupt nicht gereinigte Abwässer nicht nur mineralische, sondern auch org. Verunreinigungen enthält. Beisp.: Sulfate, Phosphate aus Haushalt u. Landwirtschaft, Nitrate u.a. Stickstoffverbindungen, Schwermetalle, Tenside, Huminsäuren und Stoffwechselprodukte aus biol. Kläranlagen. Zunehmend gibt es auch Probleme mit der Qualität des Grundwassers, das durch Auswaschungen aus Deponien , Straßenverkehr und Landwirtschaft belastet ist.

Die Reinhaltung des Wassers zählt zu den Aufgaben des Natur- und Umweltschutzes sowie der Wasserwirtschaft. Hierbei handelt es sich um den Gewässerschutz sowie um die Reinhaltung des in Wasserversorgungsanlagen befindlichen Wasser. Beisp.: Schutz von Brunnen, Behältern usw. vor Verunreinigungen, Verwendung geeigneter Werkstoffe für Rohrleitungen, Armaturen usw., Schutz der Anlagen gegen Zerstörung durch aggressive Wässer oder Frost; Wasserleitungsanlagen dürfen nicht mit Entwässerungsleitungen in Verbindung stehen, Trinkwasserleitungen müssen von Nichttrinkwasserleitungen getrennt sein. Zur Verminderung der Wasserverschmutzung ist gebrauchtes Wasser, insbesondere das Abwasser aus Industrie und Gewerbe, vor der Ableitung in die Flüsse durch Abwasserbehandlung zu reinigen . In prakisch allen Ländern sind Wasserversorgung und Wasserwirtschaft durch Gesetze geregelt. In der BRD sind dies das Wasserhaushaltsgesetz vom 23.9.1986 , die Wassergesetze der Länder, die Trinkwasser-Verordnung, die Trinkwasser-Aufbereitungs-Verordnung, die Wassersicherstellungs-Verordnung, die Verordnung der Länder über das Lagern wassergefährdender Flüssigkeiten, Abfall- und Waschmittelgesetze und das Abwasserabgabengesetz sowie entsprechende Gesetze der Länder und der EU einschließlich der Transportbestimmungen.

Im Zusammenhang mit der Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung hat sich eine eigenständige Analytik entwickelt, die von den Methoden der Mikro- und Spurenanalyse Gebrauch macht. Zu den wichtigsten Parametern der Wasseranalytik gehören der biol. und der chem. Sauerstoff-Bedarf (BSB u. CSB) eines Wassers, der Gehalt an org. Materie ( TOC) und an org. Halogenverbindungen (AOX), der Keimgehalt, die Konzentration einzelner Anionen und Schwermetalle, Trübung , Leitfähigkeit und pH. Biologische Untersuchungen werden mit Mikroorganismen (Algen), Kleinkrebsen (Daphnien) und Fischen (Goldorfen) vorgenommen. In den Gewässergütekarten der BRD ist ein wichtiges Kriterium der sogenannte Saprobitätsgrad, der aus der Anzahl der in einem Gewässer vorhandenen Organismenarten bestimmt wird.


Verwendung: Als Nahrungs-, Reinigungs- und Lösungsmittel, Löschwasser, Kühlmittel, Kesselspeisewasser und Wärmeübertragungsmittel, zur Energiegewinnung durch Wasserkraft, als Transportmittel, als Moderatorflüssigkeit in Reaktoren, zur Bewässerung usw. Die BRD (alte Bundesländer) verbrauchte ca. 39 Mrd. m3 Wasser im Jahr; davon entfallen 10% auf die chem. Industrie und 80% auf andere Industrien sowie Elektrizitätswerke und 2% auf die Landwirtschaft. Die größten industriellen Wasserverbraucher sind 1.) die chemische, 2.) die Eisen- und Hütten- und 3.) die Papier-Industie. Zur Herstellung von 1 t Papier benötigt man 250 t (früher 400–500 t) Wasser, für 1 t Bier 20 t, für 1 t Stahl 25–200 t, für 1 t Öl 180 t und zur Herstellung von 1 Pkw 380 t Wasser. In wesentlich kleineren Mengen wird Wasser für chem. Reaktionen, z.B. zur Gewinnung von Wasserstoff verbraucht.


Geschichtl.: In China wurde Wasser (griech.: hydro, lat.: aqua) schon um 600 v.Chr. als „Element“ betrachtet, eine Vorstellung, die bis ins Mittelalter vorherrschte. Gewöhnlich wird Cavendish das Verdienst zugesprochen, die Zusammensetzung des Wassers aus Wasserstoff und Sauerstoff erkannt zu haben (1784).

(RÖMP)