| Grundwasserfassungen
Wir unterscheiden bei den
Grundwasserfassungen die senkrechten (vertikalen) Fassungen, die
Grundwasserleiter in beliebiger Tiefe unter Tage nutzen, und die
waagrechten (horizontalen) Fassungen, die flach liegende
Grundwasservorkommen erschließen, sowie die Quellfassungen,
Quellwasser ist auf natürlichem Wege an der Erdoberfläche
austretendes Grundwasser.
Zu den senkrechten Fassungen
gehören der Schachtbrunnen - als älteste Bauform überhaupt -
und der Bohrbrunnen. Zu den waagrechten Fassungen sind die
ebenfalls schon seit langem gebräuchlichen Sickerrohrleitungen
und die Fassungsstollen sowie der neuere Horizontalfilterbrunnen
zu zählen.
Schachtbrunnen
Der aus dem Wasserloch der Vorzeit
entstandene Schachtbrunnen (Bild 1) wird, wie der Name sagt, im
Erdboden ausgeschachtet. Der die Wandungen des Brunnenkessels
(der Schachtbrunnen wurde früher auch Kesselbrunnen genannt)
bildende Schachtkörper aus Mauerwerk, Beton, Stahlbeton oder
fertigen Betonschachtringen wird meistens abgesenkt
(Senkbrunnen); er taucht in den Grundwasserleiter fast immer nur
wenige Meter ein (unvollkommener Brunnen). Der Wassereintritt
erfolgt vielfach nur durch die Sohle, besser durch den unteren
durchlässig ausgeführten Teil der Schachtwandung; gelegentlich
wird die Sohle betoniert, und das Wasser tritt nur durch die
dafür ausgebildete Wandung in den Brunnen.
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| Bild 1: Schachtbrunnen |
Der Schachtbrunnen erschließt das
Wasser der in geringer Tiefe liegenden wasserführenden
Schichten. Bei größerem Durchmesser dient er zugleich als
Sammler der gewonnenen Wassermenge und als Speicher.
Schon in früherer Zeit kannte man
verhältnismäßig tiefe Schachtbrunnen; wesentlich größere
Tiefen wurden auch in neuerer Zeit kaum erreicht. Der Durchmesser
beträgt bei kleinen Einzelbrunnen etwa 1,0 m bis 1,50 m. Werden
Speicherraum oder größere Eintrittsflächen der Schachtwandung
gefordert, sind auch Durchmesser bis zu 6,0 oder 8,0 m möglich
und angewandt worden.
Im Verhältnis zum Bohrbrunnen
weist der Schachtbrunnen geringere Liefermengen auf und ist heute
nur noch selten bei Einzelversorgungen in Gebrauch. Hygienisch
bedenklich ist die leichte Zugänglichkeit des Schachtbrunnens
infolge des großen Durchmessers und seiner Nähe zur
Geländeoberfläche.
Aus diesen Gründen ist seine
Bedeutung zurückgegangen. Als Grundwasserfassung für
öffentliche Wasserwerke wird er seit langem nicht mehr gebaut.
Der "Sammelbrunnen"
größerer Wasserwerke hat mit dem Schachtbrunnen nur die
äußere Form und die Art der Abteufung gemeinsam. Seine
Wandungen und seine Sohle sind undurchlässig. Er stellt keine
Wasserfassung, sondern lediglich Ausgleichs-, Vorrats- oder
Zwischenbehälter und Entnahmeschacht für die Pumpen dar und
sollte daher besser Sammelschacht genannt werden.
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Bohrbrunnen
Im Gegensatz zum Schachtbrunnen
wird der Bohrbrunnen (Bild 2), früher auch Rohrbrunnen*
genannt, durch eine Bohrung hergestellt. Dabei finden
verschiedene Bohrverfahren Anwendung, meist als
Drehbohren (z. B. das Saugbohren oder das
Lufthebebohren). Nach Durchteufen eines
Grundwasserleiters von ausreichender Höhe(=Mächtigkeit)
und Wasserführung wird in die Bohrung ein Filterrohr mit
Sumpfrohr eingebaut, mit Filterkies umgeben und mit einem
bis zu Tage reichenden Vollwandrohr (Brunnenrohr)
versehen. Die Tiefe des Bohrbrunnens richtet sich nach
Tiefenlage des Grundwasserleiters. Der Brunnen soll dabei
nach Möglichkeit die ganze Mächtigkeit des
Grundwasserleiters erschließen. Die Durchmesser des
Bohrbrunnens können außerordentlich unterschiedlich
sein. Wird der Brunnen im standfesten Gestein
(Festgestein) niedergebracht, werden Bohrdurchmesser von
z.B. 500 bis 600 mm und Filterrohrdurchmesser von z. B.
200 bis 400 mm vorgesehen.
* Der
Fachnormenausschuß Brunnenbau im Deutschen
Normenausschuß hat in seiner Sitzung vom 6. März 1943
festgelegt, daß anstelle der Bezeichnung
"Rohrbrunnen" in Zukunft die Bezeichnung "
Bohrbrunnen " tritt. Ganz allgemein soll die Art der
Abteufung im Namen des Brunnens Ausdruck finden. Man sagt
demgemäß auch "Schachtbrunnen" für
ausgeschachtete Brunnen (bisher vielfach Kesselbrunnen)
und "Rammbrunnen", d. h. eingerammte Brunnen
(bisher vielfach Abessinierbrunnen genannt).
In den jüngeren
Formationen des Lockergesteins, in denen Kiese und Sande
mit ihren oft großen Ergiebigkeiten erschlossen werden,
sind bei mittleren Tiefen - von 100 bis 300 m -
Bohrdurchmesser von 1000, 1300, 1600 mm und mehr durchaus
üblich und dementsprechend Filterrohrdurchmesser von ca.
600 bis 1000 mm.
Die genannten Durchmesser
beziehen sich auf Versorgungsbrunnen mit großen
Leistungen. Für geringeren Bedarf werden Bohrbrunnen in
kleineren Abmessungen hergestellt. Der Bohrbrunnen
erschließt - im Gegensatz zum Schachtbrunnen - in jedem
Fall das Wasser eines Grundwasserstromes, wie er in
einiger Tiefe und entsprechender Ausdehnung im Untergrund
fließt.
Wird die wasserführende
Schicht soweit möglich in ihrer ganzen Mächtigkeit
durchteuft, d.h. bis zur wassertragenden undurchlässigen
Sohle (Grundwasserstauer), ist der Bohrbrunnen als
vollkommener Brunnen anzusprechen. Das erschlossene
Wasser ist Tiefenwasser von hygienisch einwandfreier
Beschaffenheit. Da sich Bohrbrunnen im Gegensatz zu
Schachtbrunnen an der Erdoberfläche stets so ausbilden
lassen, daß Verunreinigungen irgendwelchen Art nicht ins
Brunneninnere gelangen können, ist der sachgemäß
erstellte Bohrbrunnen das Vorbild einer
Grundwasserfassung, bei der sich alle hygienischen
Forderungen erfüllen lassen.
Diese Tatsache in
Verbindung mit der technisch einwandfreien Ausführung
vor allem als Kiesschüttungsbrunnen hat den Bohrbrunnen
zum Versorgungsbrunnen aller Grundwasserwerke werden
lassen. Er wird dabei in Mehrbrunnenanlagen
(Brunnenreihen) nicht nur zur Gewinnung echten
(landseitigen) Grundwassers verwendet, sondern auch zur
Erschließung uferfiltrierter Wassermengen an den Ufern
von Flußläufen. Er wird ferner bei geeigneten,
ausreichend aufnahmefähigen Grundwasserleitern zur
Erzeugung künstlichen Grundwassers, d.h.zur
Grundwasseranreicherung, benutzt und dann als
Versickerungs- oder Infiltrationsbrunnen bezeichnet.
Daneben hat der Bohrbrunnen im Bauwesen als
Entwässerungsbrunnen bei Grundwasserabsenkungen eine
große Bedeutung erlangt.
Als Sonderform des
Bohrbrunnens kann der Rammbrunnen bezeichnet werden, der
indes nur bei kleineren Einzelversorgungen, z. B. bei
Landgrundstücken und auf Weiden, Verwendung findet.
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Bild 2: Bohrbrunnen
Sickerrohrleitungen
Zur Erschließung sehr flach
liegender, nur gering mächtiger, aber genügend ausgedehnter
wasserführender Schichten dienen die horizontalen
Sickerrohrleitungen (Bild 3), die sich ursprünglich aus offenen
Sickergräben entwickelt haben.
Die aus Steinzeug, Beton, aus
korrosionsgeschütztem Stahl oder aus Kunststoff bestehenden
Sickerrohre werden in Gräben mit schwachem Gefälle nach einem
Sammelschacht hin verlegt und mit zu den Filterrohrschlitzen
passendem Filterkies umgeben. Aus hydrologischen Gründen werden
meist Brunnenfilterrohre verwendet, die auf dem ganzen Rohrumfang
durchlässig ausgebildet sind. Der untere halbe Umfang, der
hierbei wie der obere mit Schlitzen oder Löchern
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| Bild 3: Sickerrohrleitung
mit Schacht |
versehen ist, verursacht
allerdings gegenüber dem abfließenden Wasser im Rohr eine
größere Reibung, die durch stärkeres Gefälle ausgeglichen
werden kann. Die Gräben werden nach ihrer Auffüllung durch eine
Tonlage gegen Verunreinigung von der Oberfläche her geschützt.
Außer dem Sammelschacht werden bei langen Sickerrohrleitungen im
Abstand von ca. 50-80 m und an den End- und Knickpunkten
Zwischenschächte zur Beobachtung der Wasserstände, zur
Probenentnahme und zum Reinigen angelegt.
Für Einzelversorgungen sind
Sickerrohre von 200-400 mm Durchmesser, für Großversorgungen
von 500-800 mm Durchmesser gebräuchlich. Die Sickerrohre werden
in mindestens 4-5 m Tiefe dort angeordnet, wo die wasserführende
Sohle am tiefsten liegt.
Die Wasserlieferung ist von den
örtlichen geohydrologischen Verhältnissen abhängig; sie kann
erheblichen Schwankungen unterliegen und in Trockenzeiten sehr
zurückgehen.
Bedenken in hygienischer Hinsicht
sind nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn die
landwirtschaftliche Düngung verboten ist, muß die
Sickerrohrleitung allein wegen des geringen Flurabstandes - als
Grundwasserfassung hygienisch immer als gefährdet, zumindest
aber als anfällig angesehen werden, sofern sie nicht in voller
Längenstrecke von ausreichend mächtigen, schwer
wasserdurchlässigen Deckschichten überlagert wird.
Ein Vergleich mit dem Bohrbrunnen im Hinblick
auf die Liefermenge ist wegen der stark unterschiedlichen Gegebenheiten kaum
möglich. Bei Berücksichtigung hygienischer Gesichtspunkte wird dieser Vergleich
aufgrund der nicht zu übersehenden Anfälligkeit der Sickerrohrleitung zugunsten
des Bohrbrunnens ausfallen.

Neben Sickerrohrleitungen
verschiedener Durchmesser wurden früher im Festgestein auch
größere, oft begehbare Sickerstollen gebaut, die aus
wirtschaftlichen Gründen heute kaum noch in Betracht kommen.
Horizontalfilterbrunnen
Horizontalfilterbrunnen sind
Wassergewinnungsanlagen, die ihr Wasser mit mehreren von einem
Schacht sternförmig nach allen Seiten ausgehenden, horizontal
gelagerten Fassungssträngen (Filterrohrsträngen) dem
Grundwasserleiter entnehmen. Unter dem hydrostatischen Druck des
Grundwasserleiters tritt das Wasser durch die Filterrohre in den
Sammelschacht ein und wird diesem meist durch
Unterwassermotorpumpen entnommen.
Der lichte Schachtdurchmesser
beträgt etwa 3 bis 6 m. Die Schachttiefe richtet sich nach der
Tiefenlage der wasserführenden Schichten; sie ist nach
wirtschaftlichen Gesichtspunkten bisher mit 10 bis 70 m
ausgeführt worden. Die Fassungsrohre sind Horizontalfilterrohre
mit Lichtweiten von 150-300 mm (selten auch größer) und
Einzelstranglängen von 40 bis ca. 60 m.
Entsprechend den Anlagekosten und
der Förderleistung eines Horizontalfilterbrunnens wird sich eine
wirtschaftliche Beurteilung immer auf den Vergleich mit einer
Brunnenreihe oder einer Mehrbrunnenanlage stützen, niemals auf
die Gegenüberstellung mit einem einzelnen vertikalen
Bohrbrunnen.
Wo die allgemeinen
wirtschaftlichen und hydrogeologischen Voraussetzungen für den
Bau von Horizontalfilterbrunnen gegeben sind, zeichnen sich für
diesen folgende Vorteile ab:
Im Gegensatz zu einer Brunnenreihe
vertikaler Bohrbrunnen ist die ganze Wasserfassung des
Horizontalfilterbrunnens in einer großen betrieblichen Einheit
zusammengefaßt (bisher erzielte Leistungen von
Horizontalfilterbrunnen liegen zwischen 400 und 3000 m3 /h).
Grundwassergewinnung und Rohwasserförderung befinden sich an
einem einzigen Ort. Betriebsführung, Wartung, Kontrolle und
Unterhaltung der Anlage werden vereinfacht und dadurch
Einsparungen erreicht. Bei richtiger fördertechnischer
Ausbildung wird die Betriebssicherheit verstärkt und eine
leichtere hygienische Überwachung ermöglicht.
Das Gelände für die
Wassergewinnungsanlage kann im allgemeinen kleiner angenommen
werden als bei einer Brunnenreihe. Auch die notwendige Schutzzone
dürfte bei geeigneten Deckschichten im Untergrund leichter
auszuweisen sein. Es ist demgemäß mit Kosteneinsparungen beim
Geländeerwerb zu rechnen.
Unter gewissen Verhältnissen
werden die Baukosten für die gesamte Gewinnungsanlage
einschließlich der Rohwasserförderung geringer anzusetzen sein
als die entsprechenden Kosten für eine Brunnenreihe.
Wenn die Voraussetzungen gegeben
sind, werden vor allem bei einer Uferfiltration die sich
bietenden Möglichkeiten der Wassergewinnung durch einen
Horizontalfilterbrunnen besser genutzt als durch eine
Brunnenreihe.
Den hier angeführten Vorzügen
stehen als Nachteile gegenüber:
Die Zusammenfassung der Anlage zu
einer einzigen geschlossenen Einheit kann unter Umständen bei
Betriebsstörungen der Anlaß zu einer vorübergehenden
Stillegung der gesamten Wasserversorgung sein, wenn entsprechende
Reserven nicht vorhanden sind.
Die Absenkung des Wasserspiegels
im Schacht des Horizontalfilterbrunnens kann gegebenenfalls
größer sein als die Absenkung der einzelnen Wasserspiegel in
einer Brunnenreihe, so daß von vornherein erhöhte Förderkosten
entstehen können.
Die waagrechten Fassungsstränge
des Horizontalfilterbrunnens können unter Umständen die sich im
Untergrund bietenden Möglichkeiten der Grundwassergewinnung
nicht voll nutzen, nämlich dann nicht, wenn die ganze
Mächtigkeit der wasserführenden Schichten durch eingelagerte
Tonbänder in eine Mehrzahl einzelner, hydraulisch voneinander
getrennter Grundwasserleiter aufgegliedert ist. Hier bietet der
Vertikalbrunnen Vorteile, der in der Lage ist, mehrere
voneinander getrennte übereinanderliegende horizontale
Grundwasserleiter zu erfassen.
Quellfassungen
Nach längerer, oft mehrjähriger
Beobachtung der Quellschüttung, der Beschaffenheit und Qualität
des Quellwassers und nach Feststellung anderer Gegebenheiten des
Einzugsgebietes (Niedrigwasserabfluß) soll die Quelle möglichst
an der Austrittsstelle aus frischem Gestein, geschützt gegen
Verunreinigungen, gefaßt werden. Dabei ist ein Anstauen der
Quelle zu vermeiden, da sich das Wasser in diesem Fall andere
Austrittswege suchen kann; ein Tieferlegen des
Quellwasserspiegels sollte ebenfalls vermieden werden, um ein
Leerlaufen der Quelle auszuschließen.
Die Quellkammer soll die
Quellwassertemperatur von der Außentemperatur unabhängig machen
und bei gutem Luftwechsel einen Schutz gegen Frost und Hitze
gewährleisten. Der Durchmesser des Entnahmerohres ist nach dem
größten Wasserbedarf mit v = 0, 1 m/s festzulegen. Die mit
Seiher versehene Einlaufstelle der Quellkammer sollte 0,70 bis
1,0 m über der Sammelbehältersohle liegen; ein Überlauf soll
ein schädliches Anstauen verhindern. Die Quellkammer muß mit
einem Leerlauf und einer wirksamen Entlüftung zur sicheren
Abführung unatembarer Luft, der Quellengase mit einem hohen
CO2-Anteil, ausgestattet sein.
Quellen sind im allgemeinen
unsichere Wasserspender, oft in hygienischer Hinsicht anfällig
und gefährdet. Zu den guten Quellen sind solche zu rechnen,
deren größte Schüttung das Fünffache der geringsten
Schüttung nicht übersteigt.
Die Höhenlage einer Quelle,
verbunden mit geringer Entfernung zum Verbrauchsort, beeinflußt
die Kosten günstig.
Bei dem gestiegenen
Wasserverbrauch und den höheren hygienischen Anforderungen an
unser Trinkwasser hat die Quellfassung an Bedeutung eingebüßt.
Für die öffentliche Wasserversorgung wird sie nur in
Ausnahmefällen in Frage kommen und lange und gründliche
Voruntersuchungen erfordern.
(aus BIESKE; Bohrbrunnen; Oldenburg Verlag)
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